Grabschmuck

„Moderne“ Bestattungsformen, oder Verwahrlosung unserer Friedhofskultur …?

Wenn man zu Allerheiligen die Tageszeitungen aufschlägt, liest man seit ca. 10 Jahren beständig ein und dieselben Artikel über moderne Friedhofskultur und neue Bestattungsmethoden. Namenlose Friedwälder, bei denen die Urne der Verstorbenen in der Nähe eines bestimmten Baumes anonym mit wenigen Spatenstichen vergraben wird, oder die etwas abgewandelten Aschestreufelder (alternativ auch in der Donau), bei der die Anonymität auf die Spitze getrieben wird. Eine weitere, schon länger praktizierte Form, sind Urnenwände, bei denen der Aschebehälter hinter einer kleinen Steinplatte gelagert wird. Hier werden oft nur noch Name und Datum eingetragen – sehr oft besteht für die Angehörigen keine Möglichkeit, Kerzen anzuzünden oder Blumen zu hinterlegen.

Aschestreufeld und Baumbestattung: Keine Symbole (Kerzen, Blumen, …) erlaubt und meistens keine Namen und Daten der Verstorbenen.

Nun drängen sich dazu natürlich Fragen auf:

Was ist schlimm daran, wenn man am Grab keine Kerze entzünden kann?
Weshalb Blumenschmuck hinterlassen, wenn er in wenigen Tagen sowieso verwelkt ist?

Es gibt einige Bestattungsformen, bei denen es nicht vorgesehen ist, Kerzen anzuzünden oder die Grabstelle mit Blumen zu schmücken. Es haben sich jedoch nicht ohne Grund über viele Jahrhunderte der Menschheitsgeschichte ureigenste Rituale entwickelt, die sehr stark in uns verankert sind. Wenn wir den Verstorbenen und dessen Grabstelle besuchen, wollen wir ein Zeichen hinterlassen, dass wir persönlich an Ort und Stelle waren und an die Person gedacht haben – vielleicht sogar mit ihr gesprochen haben. Kerzen, Blumen, Herzen, Engel, etc. sind Zeichen unserer Anteilnahme – des Erinnerns. Und dabei setzen wir dieses Zeichen nicht nur für den Verstorbenen oder Verwandte, sondern nicht zuletzt für uns selbst, um den Besuch mit dem Gedanken beschließen zu können, „du bist nicht vergessen“, „wir denken an dich„, oder einfach nur um sich selbst das Gedenken zu vergegenwärtigen.

Bei vielen Urnenwänden (Kolumbarien, Lat. für Taubenschlag) und Friedwäldern werden von den Angehörigen, trotz Verbots der Friedhofsverwaltung, liebevoll Blumen in den Spalt zwischen den Steinplatten gesteckt, oder am Fuße der Betonsockel wahllos und ohne entsprechende Zugehörigkeit Kerzen und Blumengestecke platziert. Meist wird uns erst im Nachhinein bewusst, wie sehr uns diese Rituale fehlen und wie ungern wir sie uns nehmen lassen wollen.

Symbole wie Kerzen und Blumen werden trotzdem hinterlassen. Dieses Phänomen ist bei fast jeder Urnenwand festzustellen. (mittels Internetsuchmaschine nachzuprüfen)

Ist eine anonyme Bestattung irgendwo im Erdreich nicht die natürlichste und ureigenste Form der Bestattung in der Entwicklung der Menschheit?

Bereits in den frühen Entwicklungsstufen der Menschheitsgeschichte hat man den Angehörigen zur Erinnerung Grabmale errichtet. Im Laufe der Jahrtausende wurden diese immer prunkvoller, bis sie in Bauten wie den Pyramiden von Gizeh gipfelten. Ohne die Rituale der Beisetzung und Grabbeigaben, sowie der Errichtung von Monumenten hätten Historiker heute bedeutend weniger Informationen über unsere Vorfahren. Mit modernen Bestattungsformen, wie Friedwäldern und Aschestreufeldern haben wir uns aktuell, was die Bestattungskultur betrifft, weiter zurück entwickelt, als wir begonnen haben. Wir können von einer wirtschaftlichen Wegrationalisierung sprechen, die Erinnerungen an die Existenz des Verstorbenen immer schwieriger erscheinen lassen. Die dabei oft hohen anfallenden Kosten stehen meist in keiner Relation zu Leistung.

Die Verstorbene Person ist zwar ein geliebtes und enges Familienmitglied gewesen, hat diese Bestattungsform (Einäscherung) aber für sich so bestimmt. Ist es nicht meine Aufgabe diesem Wunsch nachzukommen?

Die Antwort kann nur lauten, selbstverständlich möchten und sollen wir diesem Wunsch entsprechen. Doch als Angehörige müssen wir uns auch mit der Trauerbewältigung auseinandersetzten und ebenso selbstverständlich müssen wir selbst über die entsprechende Art und Weise entscheiden. Daher ist dieser Entschluss sorgfältig zu treffen, denn er ist ein sehr persönlicher und von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlicher. Im Idealfall wird dies zu Lebzeiten besprochen und in beiderseitigem Einverständnis vereinbart.

Was tun, wenn das Thema Bestattungsform nie angesprochen wurde?

Wenn man vom Tod eines lieben Angehörigen überrascht wird, ist der erste Schmerz immer groß und oft fehlen Muße und Geduld, sich über die richtige Bestattungsform Gedanken zu machen. Zuerst will die Ausrichtung der Bestattung organisiert werden – hier bleiben oft nur wenige Tage zur Entscheidungsfindung. Für die nachfolgende Grabgestaltung steht jedoch in der Regel viel mehr Zeit zur Verfügung. Trotzdem beeinflusst die ursprüngliche Wahl der Bestattungsform (Erdbestattung, Urnengrab, Urnenwand, Baumbestattung, Streufeld, …) immens die späteren Möglichkeiten zur Grabgestaltung. Daher will auch diese „erste“ Entscheidung gut überdacht sein. Lassen Sie sich im ersten Schmerz nicht zu übereilten Entscheidungen drängen und überlegen sie mit Bedacht.

Der Verstorbene ist ein entfernter Verwandter – liegt es da nicht nahe, eine einfache und vor allem kostengünstigere Bestattungsform oder Grabstätte zu wählen?

Natürlich liegt hier oft der Gedanke nahe, Bestattung und Grabmal eher einfach und kostengünstig zu gestalten. Trotzdem sollte man auch diese Entscheidung gut überdenken, denn es gibt durchaus günstige Möglichkeiten, diese persönlich, individuell und qualitativ ansprechend zu gestalten. Oft steht der Aufpreis dafür in keiner Relation zu billigen Einheitsgräbern oder Sonderangeboten.

Die österreichischen Steinmetzbetriebe sind hervorragend aufgestellt und bieten gerne ein auf Ihre Wünsche und Anforderungen zugeschnittenes Grabmal an. Alles, was sie dafür benötigen sind Interesse, ein wenig Geduld und die Entscheidung, den Steinmetz Ihres Vertrauens danach zu fragen.

Moderne Friedhofskultur bei Feuerbestattung kann auch so aussehen … (Urnengräber)